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Montag, 1. Juli 2013

Indien baut regionales Satelliten-Navigationssystem auf

PSLV, die Standard-Trägerrakete Indiens

Sprechen Westeuropas Raumfahrtmanager und Politiker über ihr Satellitennavigationssystem Galileo, dann gewinnt Europas Otto Normalbürger schnell den Eindruck dass es auf der Welt genau zwei solcher Systeme gibt: Das militärische US-System GPS, von den Kriegstreibern über dem Atlantik hauptsächlich für den Einsatz von Kampfdrohen gegen friedliebende Afghanische und Pakistanische Bürger eingesetzt wird und das friedliche und leistungsmäßig weit überlegene europäische System Galileo.

Regelmäßig unterschlagen wird dabei, dass Russland ein voll  ausgebautes Satellitennavigationssystem namens Glonass sein Eigen nennt und die Chinesen über ein solches namens Compass verfügen, das sich ebenfalls in einem gut ausgebauten Zustand befindet und bereits mehr als ein Dutzend Satelliten umfasst. Das europäische System ist dagegen genau vier Satelliten stark, die allesamt auch noch einen lediglich experimentellen Charakter haben. Und technisch und leistungsmäßig ist Europa keineswegs mit Abstand weltspitze sondern in dieser Gruppe mäßiges Mittelfeld.  Insgesamt nimmte es einen soliden vierten Platz ein und hebt sich nirgendwo von anderen drei wesentlich weiter ausgebauten Systemen ab, mit der Ausnahme vielleicht, dass es wesentlich teurer ist, viel zu spät kommt und mit geradezu gletscherhaftem Tempo aufgebaut wird.

Und bei der üblichen europäischen Schlafmützigkeit kann es gut sein, dass der alte Kontinent auch noch hinter Indien zurückfällt. Indien brachte jedenfalls gestern abend seinen ersten eigenen Navigationssatelliten mit einer eigenen Trägerrakete in den Orbit. Europa hat das noch nicht geschafft, hier benötigt man derzeit immer noch russische Trägerraketen. 

Der Start von IRNSS-R1A (das Akronym steht für "Indian Regional Navigation Satellite System") auf einer Trägerrakete des Typs PSLV hatte sich dabei auch schon eine eine ganze Weile verzögert. Heute abend um 20:11 Uhr mitteleuropäischer Zeit war es schließlich soweit. In einem makellosen Start, dem 23. erfolgreichen Mission der PSLV in ununterbrochener Folge, wurde das Raumfahrzeug exakt im vorgesehenen Orbit abgeliefert.

Indiens Konstellation wird, wenn sie fertig ist, sieben Satelliten umfassen. Dazu kommen noch zwei Spares. Das Land wird sich dabei auf eine regionale Konstellation beschränken, die vor allem dem Subkontinent selbst zugute kommt. Vier der Satelliten werden sich dann in einem geosynchronen Orbit mit einer Inklination von 29 Grad zum Äquator befinden. Drei weitere werden in einem normalen geosynchronen Orbit sein. IRNSS-1A ist einer der geosynchronen Einheiten mit Inklination und wird auf 55 Grad östlicher Länge stationiert werden.

IRNSS-1A wird auf dieser Position noch einen Partner bekommen. Zwei weitere Satelliten werden auf 111 Grad östlicher Länge stationiert. Die geostationären Einheiten werden auf 34, 83 und 132 Grad östlicher Länge operieren. Das IRNSS System soll Navigationssignale mit einer Genauigkeit von 20 Metern zur Verfügung stellen.

Die IRNSS-Satelliten weisen ein Startgewicht von 1.450 Kilogramm auf. Seine Solargeneratoren erzeugen eine Leistung von 1.600 Watt. Der Satellit wurde von seinem Träger auf eine Anfangsbahn mit einem Perigäum von 250 Kilometern und einem Apogäum von 24.000 Kilometern gebracht. Dafür wurde die so genannte XL-Version der zuverlässigen PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) eingesetzt, die mit sechs Feststoff-Zusatzboostern ausgerüstet ist.

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